Das war der Campusradio-Preis 2024
Jedes Jahr vergeben wir den Campusradio-Preis als Anerkennung für besondere Leistungen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der von der Medienanstalt NRW lizensierten Campusradios in Nordrhein-Westfalen.
Ausgezeichnet wurden 2024 jeweils der beste Beitrag/die beste Einsendung in den Kategorien „Unterhaltung“, „Hochschule, „Wissenschaft“, „Moderation“, „Kultur“ und „Wirtschaft und Politik“.
Der Campusradio-Preis ist mit einer Summe in Höhe von 1.250,- € prämiert. Die Jury konnte zusätzlich einen Anerkennungspreis vergeben, der mit einer Summe in Höhe von 800,- € dotiert ist.
Jury und Moderation
Ausgezeichnet mit dem Campusradio-Preis
"Wofür steht das Palästina-Camp an der TU Dortmund?"
– eldoradio*
Einige Themen sind von einer derart hohen emotionalen und politischen Relevanz, dass eine ausgewogene Berichterstattung nahezu unmöglich erscheint.
Selbst geringfügige sprachliche Ungenauigkeiten können gravierende Konsequenzen nach sich ziehen. Dies betrifft auch den Israel-Gaza-Krieg, zu dem auch Studierende auf der ganzen Welt immer wieder Stellung bezogen und zu diesem Zweck unter anderem Protestcamps errichtet haben.
Wie man bei diesem hochbrisanten Thema den richtigen Ton trifft und dabei immer die journalistische Distanz wahrt, das hat uns Malte Steinmüller von eldoradio* in seinem Beitrag zum Palästina-Camp an der TU Dortmund gezeigt. Dies verdient höchste Anerkennung und wird mit dem diesjährigen Preis in der Kategorie Hochschule gewürdigt.
"Diskriminierung internationaler Studierender bei der Wohnungssuche in Dortmund"
– eldoradio*
Kein Warmwasser, keine Heizung – die Umstände, unter denen internationale Studierende in Deutschland unterkommen, sind oft prekär. Wie diskriminiert der Wohnungsmarkt internationale Studierende und wie ist die Situation für sie in Dortmund? Dieser Frage widmet sich eldoradio* und macht die Lebensrealität jener nahbar, die aus dem großen Diskurs rundum Wohnungsnot oft her-ausfallen.
Mit eingehenden Erzählungen internationaler Studierender, die selbst von horrenden Lebensbedin-gungen berichten, der größeren Einordnung durch den Dortmunder Mieterverein und dem Hinweis auf kostenlose Hilfsangebote zeigt Deborah Jakob die große Stärke des Campusradios. Dafür erhält sie einen Anerkennungspreis der Jury.
"Emetophobie – Carla entscheidet sich für das Leben"
– bonnFM
Ein ganzes Jahr lang begleitet Chiara Lichter Carla, die unter Emetophobie leidet – einer permanenten Angst vor Übelkeit und Erbrechen. „Es ist wirklich so, dass man lieber sterben möchte, als das zu durchleben“ ist dabei ein Satz von Carla, der beim Hören hängen bleibt. Vielen alltäglichen Situationen fühlt sie sich nicht gewachsen. Chiara Lichter versteht es, in ihrem Beitrag nicht nur die Seelenlage von Carla zu ergründen, sondern auch durch ihre einjährige Begleitung eine positive Entwicklung bei ihr zu dokumentieren. Carla arbeitet an sich, verliert Ängste, traut sich viel mehr „normales Leben“. Auch wenn sie auf ihrem Weg noch lange nicht am Ziel ist, so sagt sie: „Ich kann auch jetzt schon glücklich sein.“
Eindrucksvoll, einfühlsam, mutmachend – all das ist dieser wirklich hörenswerte Radiobeitrag, den die Jury in
"Coffeeshop"
– Radio Q
Jessika Gremme und Simon Schoo machen den Morgen für die Radio Q-Community definitiv zu einem besseren! Die beiden bieten alles, was eine gute Doppelmoderation braucht. Allem voran sind sie ein unfassbar gutes Team. Sie schaffen es, sich auf ganz natürliche Art und Weise zu ergänzen und sich „die Bälle zuzuspielen“. Die Moderationen sind persönlich, sympathisch und unterhaltsam. Wir lernen z. B., dass Simon die Partymaus von beiden ist und Jessi mental schon eine Oma. Bei all dem Spaß, den die beiden in ihren Moderationen haben, verlieren sie aber niemals die Hörer*innen aus den Augen – ihre Kommiliton*innen, denen sie Tipps geben, die sie informieren und durch den Tag bringen.
Wir wissen nicht, ob die beiden auch im echten Leben beste Freunde sind, aber on air übermitteln sie genau dieses Gefühl. Das ist etwas ganz Besonderes und das halten wir, die Jury, für preiswürdig. Auf hoffentlich viele weitere „Sissi-Momente“!
"Fußball-EM 2024 – Ein Kommentar!"
– Radio Q
In seinem Beitrag schaut Radio Q-Autor Hendrik Sames von einer ganz anderen Seite auf das sportliche Großevent im Sommer 2024 in Deutschland. Es geht nicht um „Tore, Punkte, Meisterschaften“, sondern um die Fragen, die der oder die eine oder andere Fußball-Begeisterte gerne mal aus den Augen verliert: Druck auf die Kommunen als Ausrichter seitens der UEFA, ungerechte Verteilungen bei der Finanzierung der EM, zusätzlicher Fluglärm an den Spielstätten und nicht zuletzt um rassistisches Gedankengut mit Blick auf die deutsche Nationalmannschaft.
Mit ironischem Blick über den laut Statuten „gemeinnützigen Verein“ UEFA macht Hendrik Sames die Widersprüche rund um die EM deutlich – unterhaltsam, kritisch und mit viel Kreativität bei der textlichen und klanglichen Umsetzung.
"Rassismus in TKKG"
– Hertz 87.9
Wir alle sind aufgewachsen mit Kinderbuch- und Hörspielklassikern wie „Drei Fragezeichen“, „Pippi Langstrumpf“, „Fünf Freunde“. Das sind Geschichten, die aus heutiger Sicht immer wieder grenzwertige Motive und Formulierungen enthalten. Von „TKKG“ war in diesem Zusammenhang bisher selten die Rede.
Anne Speckmann ändert das auf beeindruckende Weise. Sie seziert die Geschichten und das Audiomaterial von „TKKG“ sorgfältig. Und sie findet viele Stellen, an denen „TKKG“ Stereotype und rassistische Vorurteile bedient. Sie findet sogar heraus, dass es sich hier nicht nur um Motive aus weit entfernter Vergangenheit handelt, sondern dass auch in neueren Folgen solche Vorfälle zu finden sind, wenn auch subtiler als früher.
Anne Speckmann holt das alles im Detail ans Licht und dekonstruiert damit eine Kindheits-Ikone. Das ist der Jury einen Campusradio-Preis wert.
"Über die heutige Relevanz des Romans MOMO"
– bonnFM
Lara Schäfer liefert mit ihrem Beitrag einen Audiobeitrag der Spitzenqualität. Im Zentrum steht das derzeit so oft besprochene Thema Achtsamkeit, welchem sie mit diesem Beitrag einen ganz besonderen Dreh verleiht. Dafür holt sie den Roman Momo ins Hier und Jetzt, knüpft an Erinnerungen und Nostalgie der Zielgruppe an und zeigt ihr journalistisches und kreatives Können.
Lara Schäfer baut den Beitrag toll auf, bedient sich schöner Bilder und bringt so Altes und Neues zusammen. Sie erzählt professionell und locker, wir haben ihr sehr gern und interessiert zugehört. Vor allem beeindruckte uns das Thema an sich – großartig gesehen, kombiniert und in einer kurzen Beitragslänge umgesetzt. Die Jury ist begeistert und möchte diese journalistische Leistung auf Top-Niveau mit einem Anerkennungspreis auszeichnen.
"Von Tür zu Tür: Oppositionsarbeit in Putins Russland"
– Radio Q
Ein Beitrag aus der Kategorie „Wirtschaft und Politik“ ist dieses Jahr ganz besonders herausgestochen. Was man hier zu hören bekommt, sind erschreckende Einblicke in ein repressives politisches System, das Andersdenkende einschüchtert, bekämpft – und wenn es sein muss, auch im wahrsten Sinne des Wortes kaltstellt. Nikolas Ender hat diese Informationen aus erster Hand bekommen. Und zwar nicht von irgendjemandem, sondern von dem russischen Oppositionspolitiker Alexej Gusjew, der bereits in jungen Jahren mit Alexei Nawalny demonstrierte und zusammenarbeitete.
Das Ergebnis: Ein sehr gut recherchierter, präziser Beitrag mit einem beeindruckenden Interview-Partner und ein erneuter Beweis für herausragende Programmleistungen im Campusradio.
Die Jury war sich hier schnell einig: Dieser Blick hinter die Kulissen von Putins Diktatur ist absolut preiswürdig.
Der Campusradio-Tag 2024
Studierende, die in den Campusradios in NRW mitarbeiten, konnten am 30. November 2024, im Vorfeld des Campusradio-Preises 2024 auf dem Campus der Universität Bonn an Impulsvorträgen und Workshops teilnehmen, Menschen aus der Branche persönlich kennenlernen und sich untereinander vernetzen.
Im Austausch mit erfahrenen Experten und Expertinnen wurde über den Berufseinstieg in die Medienbranche, aktuelle Herausforderungen und neue Perspektiven für eine erfolgreiche Weiterentwicklung im Campusradio in NRW diskutiert. Der Campusradio-Tag wurde 2024 mit Unterstützung von bonnFM und an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn veranstaltet.
Speaker und Moderation
DAS Programm zum CRT 2024
11.00 Uhr
Check-In und Networking
12.00
Begrüßung
Simone Jost-Westendorf, Leiterin Journalismus Lab, LFM NRWLouisa Schückens, Referentin des Journalismus Lab, LFM NRW
Moderation: Marc Kowalsky, bonnFM
13.00 Uhr
Vorträge
Bock auf Radio gesucht! Mit kreativen Ideen Studierende ins Campusradio holen
Gianluca Meli, Radiomoderator (98.8 KISS FM)
Neue Mitarbeitende zu finden und zu halten ist vor allem seit der Corona-Pandemie auch für viele Campusradios eine Herausforderung geworden. Studienanfänger*innen haben anders gelagerte Bedürfnisse und viele Curricula verlangen eine frühzeitige Orientierung und Schwerpunktsetzung im Studium. Häufig sind die Sender an den Hochschulen nur bedingt sichtbar.
Gianluca Meli von KISS FM Berlin (Gewinner des Deutschen Radiopreises im Bereich Moderation) beleuchtet entlang seines eigenen Einstellungsprozesses, welche Ansätze für den Sender funktionieren, welche Projekte KISS FM gerade im Bereich Recruiting verfolgt und wie Ihr kreative Impulse setzen könnt, um andere Studierende für Euer Campusradio zu begeistern.
Raum (ein-)nehmen: Hintergründe, Erfahrungswerte und Tipps für Deinen Berufseinstieg als FLINTA* in der Medienbranche
Sarah Mibus, Musikexpertin, Formatberaterin und Dozentin
Wir sind doch alle längst gleichberechtigt? Oder nicht? Eher nicht.
Auch wenn alte und überholte Strukturen mehr und mehr aufbrechen, leben wir immer noch nicht in vollständiger Gleichberechtigung. Dies schlägt sich vor allem auch in der Arbeitswelt nieder. FLINTA und weitere marginalisierte Gruppen sind hier nach wie vor nicht ausreichend repräsentiert. Auch in der Medienwelt nicht, die doch oft auf den ersten Blick aufgeklärt und modern wirkt. In diesem Seminar untersuchen wir die Gender Bias – die systematische Unterscheidung und Verzerrung in der Behandlung und Wahrnehmung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Gemeinsam erarbeiten wir Strategien zur Bewältigung von alten Vorurteilen und entwickeln Maßnahmen zur Förderung von Geschlechtergleichheit, die im eigenen Kontext umgesetzt werden können. Teilnehmende jeden Geschlechts sind ausdrücklich willkommen.
Sarah Mibus arbeitet als selbstständige Musikberaterin, Dozentin und Karrierecoach. Zu Ihren Kunden gehören öffentlich-rechtliche wie auch private TV- und Radioredaktionen. An der Landesanstalt für Medien NRW coacht sie regelmäßig angehende Journalisten und Redakteure in allen Jobfragen.
Journalistische Recherche mit TikTok: Potentiale, Risiken und gute Geschichten
Simon Pycha, freier Journalist
TikTok ist das Medium der Stunde. Von Medienmarken bis Meinungsmache – die Plattform teilt sich in vielzählige Nischen und bietet eine Bandbreite an nützlichen Informationen. Data Voids, Echokammern und
Fake News: Der Fokus dieses Workshops liegt darauf, Mehrwert für Recherchen zu generieren, Falschmeldungen zu identifizieren und sich gleichzeitig als Privatperson schützen. Simon Pycha analysiert Internet-Phänomene und ist immer auf der Suche nach neuen, medialen Trends – vor allem auf Bewegtbild-Plattformen. Mit Linguistik- und Data-Science-Studium im Gepäck ist er entweder in der Analyse-Abteilung bei RTL und WDR zu finden oder schreibt Texte im Bereich Daten-Journalismus.
14.00 Uhr
Networking / Essen
15.00 Uhr
Vorträge
Ohne Karla Kolumna wäre ich gar nicht hier – vom Arbeiterkind in den Journalismus
Abena Appiah, Volontärin Norddeutscher Rundfunk (NDR)
Alle sprechen immer von Netzwerken – und dabei liegt der Fokus meist auf der Vergangenheit: Welche Jobangebote, Aufträge oder Kontakte sich darüber ergeben haben und welche großen oder kleinen darüber Fragen geklärt werden konnten. Nur: Wie baut man sich ein eigenes Netzwerk auf? Wie pflegt man seine Kontakte? Und wie kann das Netzwerk als Treiber für die eigene Karriere funktionieren?
Abena Appiah ist Volontärin beim NDR. Entlang ihrer eigenen beruflichen Stationen erläutert sie, wie sie sich ohne vorherige Berührungspunkte mit der Medienbranche ihr bisheriges Netzwerk aufgebaut hat und welche Erfahrungswerte und Tipps sie in diesem Zusammenhang an Euch weitergeben kann. Gerne beantwortet Abena im Nachgang zu Ihrem Vortrag Eure Fragen.
Hören, was (noch) ist – Themen fürs Campusradio lösungsorientiert erzählen
Ellen Heinrichs, Gründerin und Geschäftsführerin Bonn Institute & Mirella Murri, Programm-Managerin b° future festival (Bonn Institute)
Die Welt ist voller Krisen, Kriege und Konflikte. Warum es trotzdem sinnvoll ist, lösungsorientiert zu berichten, erfahrt Ihr in diesem Workshop. Außerdem geht es darum, wo die Grenze zwischen Lösungsfokus und Aktivismus verläuft, und welche Voreinstellungen in unseren Hirnen Journalistinnen und Journalisten lernen sollten, zu überlisten. Ellen Heinrichs ist Gründerin und Geschäftsführerin des Bonn Institute. Mirella Murri arbeitet beim Bonn Institute als Programm-Managerin für das b° future Festival.
Berufseinstieg im Journalismus: Was kann, was sollte, was muss?
Stanley Vitte, freier Journalist, Medientrainer und Coach
Volontariat – ja oder nein? Mit welchem Gehalt kann ich zu Beginn meiner Karriere rechnen? Sollte ich in einen Berufsverband eintreten? Welche Punkte muss ich vor meinem Berufseinstieg in der Branche jedem Fall geklärt haben? Ein Vor- und Nachteil von Journalismus als Berufsfeld liegt darin, dass es viele Möglichkeiten für den Einstieg gibt. Die positive Seite: Den idealen Karriereweg gibt es nicht. Der Nachteil: Die Anzahl der individuellen Stellschrauben ist hoch. Stanley Vitte ist freier Journalist, Medientrainer und Coach. Seit mehr als 20 Jahren betrachtet er die Medienlandschaft aus unterschiedlichen Perspektiven und hat in seiner beruflichen Laufbahn vom Angestelltenverhältnis über freie Tätigkeiten bis hin zu seinem Engagement im DJV NRW viele verschiedene Einblicke gesammelt. In seinem Impulsvortrag wird er auf die wichtigsten Eckpunkte vor dem Berufseinstieg eingehen und in einem Q&A gerne Eure Fragen zu diesem Thema beantworten.
16.15 Uhr
Networking / Kaffee
16.30 Uhr
Mitgliederversammlung CampusRadios NRW e.V.
Die Versammlung endet um 18.00Uhr und findet parallel zum Praxis-Workshop statt.17.00 Uhr
Praxis-Workshop
Bewerben, aber wie? Tipps, Do’s and Dont’s
Sabrina Kessler, HR-Referentin Landesanstalt für Medien NRW
Die Anforderungen an Bewerbende ändern sich pro Branche und gerade fürs Berufseinsteiger*innen ständig. Video, ja oder nein? Foto, ja oder nein? Den Lebenslauf lieber kreativ oder klassisch? Muss das Anschreiben immer noch auf eine Seite passen? Braucht es überhaupt eins? Sabrina Kessler ist Personalreferentin bei der Landesanstalt für Medien NRW und gibt Euch in diesem Vortrag einen Überblick über die wichtigsten Eckpunkte einer guten Bewerbung. Gerne stellt sie sich nach dem Vortrag auch Euren Fragen!